Halli Galli im Staatstheater Augsburg: Eine Uraufführung über Hans Rosenthal


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Wenn Unterhaltung Geschichte schreibt: Halli Galli in Augsburg
Am ersten Weihnachtsfeiertag öffnet sich in der brechtbühne im Gaswerk ein schillernder Bühnenraum für eine außergewöhnliche Uraufführung: Halli Galli (eine Show ohne Hans Rosenthal) verbindet Show, Schauspiel und deutsche Erinnerungskultur. Das Schauspiel von Felix Krakau begleitet den Weg des legendären Entertainers Hans Rosenthal auf die Bühne und stellt eine brisante Frage: Wie viel Leichtigkeit verträgt eine Gesellschaft, die ihre Vergangenheit verdrängen möchte?
Zwischen Fernsehglanz und verdrängter Geschichte
Hans Rosenthal prägte als Showmaster das deutsche Fernsehen der Nachkriegszeit. Als Jude, der den Holocaust nur knapp überlebte, wurde er zu einem der beliebtesten Entertainer der Bundesrepublik. Seine Karriere steht damit zugleich für Aufbruch, Wirtschaftswunder und den Wunsch nach unbeschwerter Unterhaltung. Die Inszenierung macht aus diesem Spannungsfeld keinen nostalgischen Fernsehabend, sondern eine dramaturgische Untersuchung über Erinnerung, Publikum und den Preis des Lachens.
Eine Uraufführung mit theatralischer Energie
Regisseur David Ortmann führt das Publikum in eine Bühnenwelt, in der Showelemente und Schauspielkunst ineinandergreifen. Die Dramaturgie folgt Rosenthals Weg ins Rampenlicht und zeigt ein Publikum, das nicht bloß zusieht, sondern Teil seiner Geschichte wird. Zwischen Bühnenscheinwerfern, musikalischer Leitung und präziser Personenführung entsteht ein Bühnenerlebnis, das Unterhaltung als gesellschaftlichen Resonanzraum begreift.
Bühnenbild, Kostüme und Licht als Zeitmaschine
Steffi Wurster gestaltet das Bühnenbild, Katja Schröpfer verantwortet die Kostüme, Alexander Cappek das Licht. Gemeinsam schaffen sie die sinnliche Oberfläche einer Showwelt, unter deren Glanz historische Brüche sichtbar bleiben. Die Akustik der brechtbühne, die musikalische Leitung von Stefan Leibold und die Arbeit der Dramaturgin Mara Goga verleihen der Inszenierung eine eigene Theateratmosphäre zwischen Varieté, Fernseherinnerung und politischem Sprechtheater.
Warum dieses Schauspiel nachhallt
Halli Galli setzt bei einer vertrauten Figur der deutschen Populärkultur an und öffnet daraus einen größeren Blick auf Nachkriegsgesellschaft, Mediengeschichte und Erinnerungspolitik. Der Gegensatz von ausgelassener Show und verdrängter Vergangenheit erzeugt eine produktive Spannung. Das Publikum erlebt keine bloße Biografie, sondern eine Bühnenreflexion über die Frage, ob Spaß um jeden Preis möglich ist.
Fazit: Besucherinnen und Besucher erwartet am 25. Dezember 2026 eine Uraufführung mit historischer Tiefe, musikalischer Energie und einem eigenwilligen Blick auf die deutsche Fernsehgeschichte. Wer Theater als lebendiges Nachdenken, sinnliches Bühnenerlebnis und kluge Unterhaltung schätzt, erlebt in der brechtbühne im Gaswerk einen Abend, der weit über den Schlussapplaus hinauswirkt.
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