Der Sohn im Staatstheater Augsburg: Ein Familiendrama, das unter die Haut geht


Datum und Uhrzeit
Künstler
Veranstaltungsort
Tickets
Über diese Veranstaltung
Stimmung
Veranstaltungsorttyp
Wenn familiäre Nähe zur letzten Hoffnung wird
Florian Zellers preisgekröntes Familiendrama Der Sohn führt am 4. Dezember 2026 in der brechtbühne im Gaswerk mitten in eine Familie, deren vertraute Ordnung ins Wanken gerät. Regisseur David Ortmann erzählt von jugendlicher Depression, elterlicher Überforderung und dem verzweifelten Versuch, einen geliebten Menschen zurück ins Leben zu begleiten.
Ein Vater, ein Sohn und die Risse im Familienbild
Der 17-jährige Nicolas schwänzt im Abschlussjahr die Schule und zieht nach der Trennung seiner Eltern zu seinem Vater Pierre. Dort lebt er mit dessen neuer Partnerin und einem Baby. Die räumliche Nähe scheint zunächst Halt zu geben, doch hinter den alltäglichen Abläufen wächst eine Krise, die sich nicht mit guten Ratschlägen lösen lässt. Als Pierre die Narben auf dem Unterarm seines Sohnes entdeckt, wird aus jugendlicher Rebellion eine existenzielle Notlage.
Dramaturgie zwischen Hoffnung und Sprachlosigkeit
Zellers Inszenierung legt die Kommunikationsprobleme innerhalb der Familie mit großer Präzision frei. Die Dramaturgie folgt nicht einfachen Schuldzuweisungen, sondern fragt nach Rollenerwartungen, Fürsorge und den Grenzen elterlicher Verantwortung. David Ortmanns Regie verbindet psychologische Genauigkeit mit einer konzentrierten Schauspielkunst, die den Figuren Raum für Widersprüche lässt.
Eine graue Box voller emotionaler Wucht
Das Bühnenbild von Justus Saretz setzt auf eine reduzierte, graue Bühnenwelt. Gerade diese visuelle Strenge lenkt den Blick auf die Körper, Blicke und Pausen des Ensembles. Ron Heinrichs Lichtgestaltung verdichtet die Theateratmosphäre und lässt Nähe ebenso spürbar werden wie die bedrückende Isolation des Jugendlichen. Die Akustik der brechtbühne verstärkt die unmittelbare Wirkung des Bühnenerlebnisses; an einer Stelle erschüttert ein lauter Schuss die konzentrierte Stille.
Berührendes Gegenwartstheater mit gesellschaftlicher Relevanz
Der Sohn rückt ein oft tabuisiertes Thema ins Zentrum: Depressionen und selbstverletzendes Verhalten bei Jugendlichen. Die Inszenierung versteht das Familiendrama trotz seines tragischen Verlaufs als Plädoyer für das Leben und als Einladung, psychische Krisen nicht länger zu verdrängen. Die Presse hob besonders die intensive Ensembleleistung und die emotionale Dichte des Abends hervor. Das Donaukurier beschrieb Jonathan Walz’ Darstellung als tränentreibend authentisch, während die Augsburger Allgemeine die politische Kraft und fiebrige Energie der Aufführung betonte.
Publikumsgespräch im Anschluss
Nach der Aufführung ist ein Publikumsgespräch mit Regisseur David Ortmann, dem Ensemble und Gästen angekündigt. Damit öffnet sich der Theaterabend über die Bühne hinaus für den Austausch über psychische Erkrankungen, familiäre Konflikte und die Frage, wie Hilfe möglich wird.
Fazit: Ein Theaterabend, der nachhallt
Besucherinnen und Besucher erwartet ein konzentriertes, emotional forderndes Bühnenerlebnis mit starker Schauspielkunst, präziser Regie und einer unmittelbar berührenden Familiengeschichte. Der Sohn verlangt Aufmerksamkeit, schenkt dafür aber einen Theaterabend, dessen Bilder, Pausen und Fragen lange nach dem Schlussapplaus weiterwirken.
Offizielle Kanäle von Staatstheater Augsburg:
- Instagram: kein offizielles Profil gefunden
- Facebook: kein offizielles Profil gefunden
- YouTube: kein offizielles Profil gefunden
- Website: kein offizielles Profil gefunden










